Stadtkapelle Greding

Chronik

Die ersten schriftlichen Hinweise auf eine stadtverbundene Musik sind aus dem Archiv der Stadt Greding (aus dem Jahre 1833) zu ersehen.

Am 10. Oktober und am 8. Dezember 1833 hatte sich der damalige Bewerber Andreas Müller dem Gemeindeausschuss Greding zu stellen und die Bedingungen anzuhören, unter denen die damaligen Stadtthürmerverweserstelle vergeben werden durfte.

Nachdem sich die beteiligten Parteien über die gegenseitigen Bedingungen geeinigt hatten, wobei mit einer der Hauptpunkte die Erhaltung der Instrumentalmusik bei der hiesigen Kirchenmusik war, erfolgten die Unterschriften der Beteiligten.

Es gibt dazu auch eine Stellungnahme der königlichen Regierung, die folgendes beinhaltet:

„Im Namen Seiner Majestät des Königs

Auf Grund des beigebrachten Zeugnisses über die Qualifikation des Andreas Müller aus Münchsmünster wird die begutachtete Übertragung des erledigten Stadthürmerdienstes zu Greding an denselben mit den hergebrachten Fassions-Bezügen aus örtlichen Stiftungs- und Gemeindemitteln, dann den in der Fassion vom 5ten Dezember 1831 bemerkten Zufälligen Einnahmen, hierdurch genehmigt. Die vorgelegten Amtsakten folgten im Beischluss wieder zurück. 

Ansbach am 20ten April 1834
Königl. Regierung des Rezatkreises
Kammer des Innern.“

Wann Andreas Müller starb, konnte nicht ermittelt werden.

Sein Nachfolger wurde sein Sohn Max Müller. Dieser wurde am 13. Februar 1836 geboren.

Der Stadtthürmer hatte die Aufgabe, jungen Leuten Musikunterricht zu geben, bei feierlichen Prozessionen mitzuwirken, sich mit drei bis vier Musikern an feierlichen Gottesdiensten zu beteiligen und beim Kirchenchor mitzuwirken.

Als im Jahre 1905 das Feuerläuten eingestellt wurde, also die Stadtthürmerstelle aufgehoben war und der Kirchendienst auch aufgelöst wurde, stand Hans Müller, Sohn und Amtsnachfolger seines Vaters Max Müller, brotlos da. Er verließ Greding und besuchte die Musikschule in Würzburg.

Vom Jahre 1906 an wurde die Stadtkapelle von 6 bis 8 Musikern weiterbetrieben und von einem älteren Musiker geleitet.

In der darauffolgenden Zeit fanden sich immer wieder qualifiziertere Musiker, die die Kapelle weiterführten, so Jakob Weingärtner (geb. 24. April 1887), der ab 1901 die Musik erlernte, übte und betrieb.

Nach dem 1. Weltkrieg war es um die Stadtkapelle Greding übel bestellt. Auf den Schlachtfeldern hatten viele Kameraden ihr Leben gelassen. 

Als im Jahre 1920 der Steuersekretär Gustav Ehmann nach Greding an das Finanzamt versetzt wurde, nahm sich dieser des Restes der vorhandenen Musiker an und hatte bald wieder eine spielfähige Kapelle beisammen. Er hielt dann Musikstunden ab und verwendete auch junge Musiker bei der von ihm wieder gefestigeten Stadtkapelle.


Aus dieser Schule gingen dann unter den jungen Leuten besonders begabte Musiker hervor, so z. B.

Anton Biersack – der spätere Musikprofessor in Frankfurt am Main

Ludwig Heibl – Hornist an der Staatsoper in München 

Albert Benz – Lehrer 

Albert Hobl – zeitweise Leiter der Stadtkapelle Greding

Die Stadtkapelle war zu dieser Zeit 20 Mann stark. In der Gruppe der Blasmusik entstand durch das Ausscheiden einiger Musiker eine Lücke. Diese füllte Kapellmeister Ehmann mit Anton Biersack, Albert Hobel und dem Posaunist Martin Brandl. Der erste Auftritt dieser Gruppe erfolgte am Dreifaltigkeitssonntag 1923 beim traditionellen Gartenkonzert im „Gasthaus zu den drei Linden“.

Im darauf folgenden Jahr kamen Jakob Amtmann, Karl Schuster und Wilhelm Regler zur Kapelle.

Bei der Aufhebung des Finanzamtes Greding (1929) wurde Gustav Ehmann nach Hilpoltstein versetzt. Es übernahm der 1. Flügelhornist Xaver Kößler die Dirigentenstelle.

Die Jahre von 1933 an trugen hauptsächlich politisch autoritären Charakter. Da war es für die Stadtkapelle Greding sehr schwer, an den altherkömmlichen Fronleichnamsprozessionen und anderen kirchlichen Feierlichkeiten mitzuwirken, ohne nicht von der politischen Seite mit Verachtung oder gar Verfolgung bestraft zu werden. 

Der letzte Spieltag vor Ausbruch des 2. Weltkrieges war ein „KdF“-(Kraft durch Freude) Konzert auf dem Buckanderl-Keller. Während des Krieges (1939 bis 1945) war die Kapelle zum Schweigen verurteilt.

Einige Monate nach Beendigung des 2. Weltkrieges war Xaver Schmidt der erste Trompetenschüler des Kapellmeisters Albert Hobl; dochbald kamen auch Jakob Schlupf, Paul Schlupf, Karl Rupert, Franz Dirsch, Josef Losch, Franz Hobauer, Hans Brandl und Oskar Preischl hinzu.

Bereits am 1. Mai 1946 konnte Albert Hobl mit diesen jungen und den Spielern der alten Gruppe, wie Jakob Weingärtner, Ludwig Breindl, Max Niedermeiyer und Karl Schuster das erste Standkonzert geben. Martin Brandl, der Anfang 1949 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, gab Hans Schlupf (Posaune) und Andreas Lehmair (Bass) Unterricht.

Im Sommer 1947 konnte die Kapelle den Sudetendeutschen Herrn Meder als Dirigenten gewinnen. Herr Meder zog aber schon nach einigen Monaten nach Wien.

Im Mai 1948 kam Hans Ibinger aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause. Er schloss sich eifrig der Kapelle wieder an und widmete sich mit Josef Seyfahrt hauptsächlich der Tanzmusik. 

1948 übernahm der Sudetendeutsche Ferdinand Hauck die Leitung der Kapelle. Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und einigen Musikern bewirkten sein Verlassen der Kapelle. Nun musste wieder Albert Hobl einspringen.

Im Frühjahr 1949 übernahm Karl Regnet die Dirigentenstelle bei der Stadtkapelle Greding. In seiner Dirigentenzeit kamen einige große Ereignisse auf die Gredinger Musiker zu.

Das ganz große Ereignis des Jahres 1950 war das von der Stadtkapelle veranstaltete Volksmusikfest vom 26. bis 27. August in Greding. Zum Feiern dieses Festes wurde am Bauerkeller ein Bierzelt aufgestellt. Die in der Umgebung existierenden Musikkapellen wurden eingeladen, sowie am Sonntagnachmittag ein Festzug mit Musikkapellen, Festwagen und ortsansässigen Vereinen durchgeführt. Obwohl vom Wetter nicht besonders verwöhnt, war das Fest ein großer Erfolg.

Aufgrund einer Bewerbung, der dann eine Einladung folgte, nahm die Gredinger Stadtkapelle beim Oktoberfest 1951 und 1952 am Festzug teil.

Einer seiner letzten Auftritte mit der Stadtkapelle, vor seinem Wegzug, hatte Kapellmeister Karl Regnet 1956 anlässlich der Primiz des Herrn H. Ludwig Vögele.

Für fast ein Jahr musste nun Albert Hobl wieder den Dirigentenstab übernehmen, den er am 1. Mai 1957 an Hans Feslübergab. Er hielt fleißig Musikprobe ab und der Erfolg seiner Arbeit zeigte sich schon bei dem 1957 veranstalteten Weihnachtskonzert. 1960 verließ Hans Fesl aus beruflichen Gründen Greding.

Albert Hobl übernahm abermals von Mitte 1960 bis Anfang 1968 den Dirigentenstab, den er im April des Jahres 1968 an Sepp Fuhrmann übergab.

Bei dem Weihnachten 1968 stattgefundenen Konzert, welches ein großer Erfolg war, konnte Kapellmeister Sepp Fuhrmann unter mehreren Ehrengästen auch den Präsidenten des Nordbayrischen Musikbundes, Herrn Georg Beyer aus Erlangen begrüßen. Präsident Georg Beyer zeichnete das Kapellenmitglied Franz Kaden für 40 Jahre währende Treue zur Musik mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Musikbundes aus.

Am 19. und 20. April 1969 fand ein Freundschaftstreffen des Musikvereins von Thurmannsbang und der Stadtkapelle Greding statt. Mit zu den Höhepunkten am Samstagabend beim großen Konzert gehörte die Verleihung der goldenen Ehrennadel des Nordbayrischen Musikbundes an den Vorsitzenden der Stadtkapelle Greding, Herrn Albert Hobl, für 40 Jahre aktive Arbeit.

Am Sonntagmorgen marschierten beide Kapellen mit Musik zur Stadtpfarrkirche und spielten während des Gottesdienstes die Deutsche Messe von Franz Schubert. Der Nachmittag fand seinen Ausklang mit gemeinsamen Musikzieren im Saal des Gasthauses „Drei Linden“

Beim Weihnachtskonzert 1969 wurde Franz Worsch im Dienste der Deutschen Volksmusik durch Dirigent Sepp Fuhrmann im Auftrag des Nordbayerischen Musikbundes mit einer Plakette mit Urkunde geehrt.

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte der Stadtkapelle Greding war die Verleihung der „Pro-musica“-Plakette am 16. Mai 1971 in Regensburg, gestiftet vom Bundespräsidenten Dr. Heinemann, überreicht im Auftrage durch den Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel. Die Ehrung kann nur diejenige Kapelle erhalten, die auf eine ungestörte 100 jährige Tradition verweisen kann und darüber hinaus den Nachweis erbring, dass sie in der Zeit an wichtigen Veranstaltungen teilgenommen hat.

Die Gredinger Musiker waren durch Sepp Fuhrmann und Albert Hobl vertreten; im Auftrag der Stadt begleitete sie das Stadtratsmitglied Dr. Grasser. Die Stadtkapelle war somit die 1. Kapelle links der Donau, die eine solche hohe Auszeichnung erhalten hat. Im selben Jahr erhielt die Stadtkapelle eine weitere hohe Auszeichnung, die Goldplakette am „Weiß-Blauen Band“.

Im Frühjahr 1974 legte Sepp Fuhrmann, aus gesundheitlichen Gründen, seinen Dirigentenstab nieder.

Danach übernahm wieder einmal Albert Hobl die musikalische Leitung der Stadtkapelle Greding.

Am 1. Oktober 1978 übergab Albert Hobl den Dirigentenstab an Winfried Beck. Man traf sich regelmäßig einmal, wenn erforderlich zweimal in der Woche zum Proben im Vereinslokal. Einer der ersten erfolgreichen Auftritte war das Standkonzert am Ostersonntag, dem 18. April 1979 in Greding. Der musikalische Abschluss im Jahre 1979 war das erste in Greding veranstaltete Altstadtfest am Sonntag, den 2. September 1979 (Veranstalter: Stadt Greding).

Die Wintermonate wurden vom Kapellmeister Winfried Beck und dem Musikkameraden Franz Dirsch genutzt, eine Vereinssatzung zu erstellen. Diese wurde am 10. Februar 1980 durch die 1. ordentliche Generalversammlung im Vereinslokal „Drei Linden“, in Anwesenheit des 1. Bürgermeisters der Stadt Greding, Herrn Otto Heiß, angenommen. Als erster Vorsitzender wurde der Musiker Josef Kreipp gewählt. Anfang 1980 wurde der Beschluss gefasst, eine neue Bekleidung anzuschaffen, was auch umgehend in die Tat umgesetzt wurde. Der erste öffentliche Auftritt in der neuen Bekleidung war das traditionelle Osterstandkonzert am 6. April 1980.

Bei einem Kameradschaftsabend am 12. April 1980 konnte der 1. Vorsitzende Josef Kreipp den 2. Bürgermeister der Stadt Greding, Dietmar Träger, begrüßen. Ein Höhepunkt dieses Abends war die von Winfried Beck und Dietmar Träger vorgenommene Ehrung altgedienter Musiker mit der Goldenen Ehrennadel der Stadtkapelle Greding. Folgende Musiker wurde ausgezeichnet: Albert Hobl, Anton Groh sen., Hans Schlupf sen., Hans Brandl, Andreas Lehmair sen., Franz Dirschund Josef Kreipp. In seiner Abschlussrede dankte der 1. Vorsitzende Josef Kreipp allen aktiven Musikern für ihren Einsatz. Sein besonderer Dank, verbunden mit einem kleinen Geschenk, galt Franz Dirsch, der über 25 Jahre mit großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit als Kassenverwalter und Schriftführer tätig war.

Seit dem Sommer 1980 hält die Stadtkapelle jährlich ihr Gartenfest ab, welches bisher immer ein großartiger Erfolg war.

Am Freitag, den 22. Mai 1981 feierte die Stadtkapelle mit ihrem Alt-Dirigenten Albert Hobl dessen 75. Geburtstag, der nun auch seine 60 jährige aktive Musikerlaufbahn beendete. Ihm gilt unser Dank.

Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme am 1. Kreiskonzert in Roth im Oktober 1981.

Im Sommer 1983 befasste sich die Vorstandschaft das erste Mal mit den Fakten und Problemen, die ein geplantes Musikfest zur 150-Jahr-Feier mit sich bringt. Die große Mehrheit der aktiven Musiker sowie der 1. Bürgermeister der Stadt Greding, Otto Heiß waren für die Veranstaltung eines entsprechenden Festes. Dies veranlasste den 1. Vorsitzenden der Stadtkapelle Greding, Josef Kreipp, aktive Musiker und einige Bürger der Stadt Greding für ihre Mitarbeit im Festausschuss zu gewinnen.

Die 12 Mitglieder des Festausschusses trafen sich erstmals am 15. November 1983 im Gasthaus „Lux“ zu einer Sitzung. Zum Vorsitzenden des Festausschusses wählte die Versammlung Herrn Franz-Josef Lerzer, der sich bereit erklärte, dieses Amt zu übernehmen. In seiner ersten Ansprache bat er alle Mitglieder um rege Mitarbeit bei der Vorbereitung des bevorstehenden Jubiläums.

(Winfried Beck)